Nachrichten
16.03.2020
HINWEIS DER REDAKTION ZU VERANSTALTUNGEN
Aufgrund der derzeitigen Einschränkungen im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben im Rahmen der Coronavirus-Krise weist die Redaktion darauf hin, dass auch auf unserem Portal vorangekündigte Termine inzwischen abgesagt und vielerorts Museen, Kulturzentren etc. vorübergehend geschlossen worden sind.

Bitte erkundigen Sie sich aktuell und die nächste Zeit direkt bei den angegebenen Veranstaltern, ob der jeweilige Termin stattfindet oder nicht und beachten Sie die offiziellen behördlichen Gesundheits- und Reiseinformationen.



Viele Grüße

Red. Art-Transmitter
Das Museum als Arche
15.03.2020
Das Museum als Arche
Outsider Art-Zentrum in Lüttich an neuem Standort
Liège. Erst hatten sich die vergangenen Jahre Umbau und Umzug ins neue Gebäude im Herzen des Lütticher Avroy Parks aus organisatorischen Gründen verzögert, dann stand der Eröffnungstermin - auch mit der ersten Ausstellung- im neuen Haus für den 20. März 2020 fest. Selbst auf der Outsider Art-Messe 2019 im Oktober in Paris hatte man dieses Datum schon kräftig beworben. Ein attraktives Eröffnungswochenende mit Ansprachen, Führungen und Begleitprogramm wurde gestrickt und vorbereitet. Jetzt ist die Coronavirus-Krise dazwischen gekommen und (auch) Belgien hat seine Museen im März zwingenderweise vorübergehend geschlossen.

„Liebe Freunde, Sie haben erfahren, dass die Eröffnung der Trinkhall verschoben wurde. Wir sind natürlich ein bisschen traurig, ein bisschen desorientiert ... Aber noch mehr fühlen wir uns gestärkt. Wir haben eine ganze Museumspolitik entworfen, die vom Begriff ‚Fragilität‘ inspiriert ist - was wir ‚Ausdruckskraft fragiler Welten‘ nennen ... Sie hat heute eine ganz besondere Bedeutung“. So schreiben dazu dieser Tage Carl Havelange (künstlerischer Leiter von Trinkhall) und Raymond Kenler (Geschäftsführer von Créahm).



MADMUSÉE IST JETZT TRINKHALL

Bleibt zu hoffen, dass das Museum dem Besucher seine Türen bald öffnen kann, denn es hat einiges zu bieten. Auf jeden Fall aber ist das alte MADmusée (zuletzt in der Rue Fabry 19 platzbeengt untergebracht) jetzt zum Trinkhall-Museum geworden. Mit dem neuen Standort hat der schon über vierzig Jahre in sozialer Kulturarbeit tätige Träger Créahm auch den Namen des renommierten wallonischen Zentrums für andere Kunst (hier so genannte Outsider Art von Menschen mit geistigen und/oder psycho-sozialen Handicaps) gewechselt.

Am Ort einer ehemaligen Trinkhalle (aus 1880) als Spa-Verkostungsraum für das bürgerliche Publikum, ist seit 2015 im Lütticher Avroy-Stadtpark ein modernes Outsider Art-Zentrum entstanden. Schon seit 1982 beherbergte das bisherige Gebäude hier das MADmusée (Musée de la Art Différencié), das vom gemeinnützigen Träger Créahm (Créativité et handicap mental) asbl (Bruxelles und Liège) betrieben wird. Interim war man die letzten Jahre in einem Haus in der nahegelegenen Rue Fabry, das aber keine Ausstellungsräume aufwies. Solange bespielte man vermehrt andere Kulturadressen der Großstadt, wie z.B. einen Saal im Théâtre de Liège. Regelmäßig gab und gibt es Ausstellungen im nahen und fernen Ausland, bis in die USA.



NEUES GEBÄUDE – ERWEITERTES KONZEPT

Das über zehnjährige Renovierungs- und Erweiterungsprojekt lief im Rahmen eines Architektur-Workshops, unterstützt von der Region Wallonie und der Stadt Lüttich. Trinkhall versteht sich heute als eine Schlüsseleinrichtung der Lütticher Kulturlandschaft, mit zahlreichen Kooperationen mit verschiedenen Akteuren des künstlerischen, sozialen und kulturellen Lebens der Großstadt und weit über ihre Grenzen hinaus. Jetzt verfügt man über 600 qm Ausstellungsfläche, eine Buchhandlung, eine Dokumentationsabteilung, einen Bereich für Meetings und Bildungsveranstaltungen und über das technische Instrumentarium, um die Kunstwerke für den Sammlungsbestand zu konservieren. Der Museumsraum ist modular aufgebaut und bietet große Nutzungsflexibilität. Die Außen’haut‘ besteht aus Polycarbonat. Die futuristisch-nüchterne Erneuerung ist nicht nur baulicher Art, sondern betrifft auch Konzept und Identität des Projektmuseums für Außenseiterkunst. In einer Pressemitteilung heißt es „At Trink Hall, we don’t want to look at the collection with the eyes of art, but to think about art (and its environment) with the eyes of the collection“. Architekt Aloys Beguin: „Dieses unter eine Glocke gelegte Gebäude trägt dazu bei, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen."

Die umfängliche Trinkhall-Kunstsammlung stammt anfänglich aus den Ateliers von Créahm (mit Workshops seit den 1970er Jahren tätig, das Centre de Jour Créahm Liège befindet sich am quai St Léonard 6). Akquiriert werden Werke auch aus den Brüsseler Ateliers oder den CEC-Ateliers in Vielsam und weiteren Adressen im In- und Ausland. Heute besitzt man fast 3.000 Werke autodidaktisch entstandener „anderer“ Kunst aus aller Welt. Das Museum arbeitet eng mit den beiden weiteren belgischen Museen dieses Outsider Art-Genres zusammen, mit Museum Dr. Guislain in Gent und dem Art & Marges Museum in Brüssel.

Im März hat auch das Trinkhall Café von (ex-)madcafé seinen neuen Raum bezogen, als Café und Restaurant-Bistro. Trinkhall Café ist eine Genossenschaft mit sozialem Zweck, das eng mit der Geschichte des Museums verbunden ist. Immer war man zusammen und bleibt es auch jetzt im Parc d’Avroy.



DAS MUSEUM ALS ARCHE – FRAGILITÄT ALS MOTOR UND STÄRKE

Außenseiterkunst erfährt hier profunde Darstellung, Diskussion und Dokumentation. In Belgien ist es normal, dass Ateliers (mit Assistenzen) für beeinträchtigte Künstler*innen vom Kultusministerium oder dem für Internationale Beziehungen gefördert werden und nicht oder primär aus sozial-gesundheitlichen oder gar psychiatrischen Finanzierungen. Dies entstigmatisiert umso mehr. Selbstverständlich ist auch der Kontakt und Austausch solcher Museums- und Atelierprojekte mit den ‚normalen‘ universitären Kunstakademien. Die gesamte Arbeit wird künstlerisch und gesellschaftlich-politisch verstanden. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört auch die neue Museum-Zeitung: Ausgabe 1 / Frühjahr 2020 ist im Netz downloadbar unter https://trinkhall.museum/trinkhall-gazette-01.pdf.

Darin ist auch „Das ideale Museum“ abgebildet, ein Werk, das 2019 von einem der Hauptkünstler der Créahm-Werkstätten, Alain Meert zusammen mit Patrick Marczewski für die Eröffnung produziert wurde. Der Künstler beantwortet darin die an ihn gerichtete Frage „Was ist ein Museum?“ mit einer skurril-liebevollen Segelschiff-Skulptur, mit unterschiedlichen Menschenfiguren, Farben, Formen.. aus diversen Papieren, Pappen und Gegenständen, ungewöhnlich und vertraut zugleich. Die ganze Welt passt in ein Boot, in diese Arche. Und diese in dieses Museum.



VISAGES/FRONTIÈRES

Die erste Wechselausstellung bespielt das neue Haus bis Ende August zum Thema Gesicht. Hier sind beispielsweise Arbeiten von Inès Andouche, Antonio Brizzolari, Mawuena Kattah, Pascale Vincke zu sehen. Ergänzend zu diesen hat Trinkhall externe zeitgenössische KünstlerInnen eingeladen, künstlerisch auf ‚Gesichter‘ aus der Créahm-Sammlung zu antworten. Dem sind Thomas Chable, Hélène Tilman, Anne de Gelas, Dany Danino und Yvon Vandycke mit entsprechenden eigenen Gedanken und Arbeiten nachgekommen. Die Ausstellung „Gesichter/Grenzen“ fokussiert Identität und Persönlichkeit. Parallel wird im Erdgeschoss Jean-Michel Wuilbeaux mit „À tout n’a rien gagner“ in Malerei, Zeichnungen und Wortkunst präsentiert.



Praktische Hinweise

ACHTUNG! Wegen der Coronavirus-Krise bis Ende April 2020 geschlossen. Bitte auf der Trinkhall-Website fürs Weitere informieren.

Geöffnet regulär Mittwoch bis Sonntag von 10.30 bis 17.30 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen. Freier Eintritt jeden ersten Sonntag im Monat. Gebühren: Erwachsene 5 € / Gruppen (ab 10 Personen) 3 € p. Pers. / Senioren (ab 65) 3 € / Arbeitssuchende 3 € / Personen nach Art. 27: 1,25 € / Frei bis 26 Jahre / Schul- und Vereinsgruppen 60 € nach Voranmeldung (Führung und Workshop inbegriffen). Führungen durch Art & Fact Association (FR, NL, DE): 65 € bis 95 €

Trinkhall Museum
Parc d’Avroy, B-4000 Liège
(Parking Boulevard d’Avroy)

www.trinkhall.musem
info@trinkhall.museum
Tel. +32 4 222 32 95



(c) Text & Foto(s): G. Peitz, BKS Saar
www.trinkhall.museum/trinkhall-gazette-01.pdf
03.03.2020
Kunstfestival "Grenzgänger*innen" 2020
Start in Freiburg mit „Crossing Borders – Still Pleasure“
Freiburg im Breisgau. „Still Pleasure“ ist eine Gruppenausstellung mit Malerei und Zeichnungen von drei Künstler*innen aus zwei Ländern: Diana Chambers und Declan Byrne aus Irland und Boubacar Camara, geb. in Guinea, seit 2009 in Freiburg lebend. Vernissage mit Einführung durch Kuratorin Ulrike Thomann (Musik: Harald Kimmig) ist am 6. März um 18.00 Uhr, Finissage am 17. April um 18.00 Uhr.

Die Kuratorin in einer Medieninformation: „Auch in Freiburg möchte nun eine Ausstellung die herrschende Vorstellung von Outsider Künstler*innen als geduldete Sonderlinge oder zustandsgebundene Wilde aufbrechen. Und die Autonomie der Kunst als Kunst verteidigen .. Wir verfolgen dezidiert nicht den sozialintegrativen und/oder -therapeutischen Anspruch mit dieser Ausstellung. Diesen wollen wir nicht mindern oder missen, allein, uns geht es hier um Kunst.“

Dies ist die Auftaktausstellung eines jährlich stattfindenden Kunstfestivals „Grenzgänger*innen“: Jedes Jahr im März wird ein/e Künstler*in aus einem anderen europäischen Land nach Freiburg eingeladen und begegnet hier einer örtlichen künstlerischen Position. Begleitend werden diesmal in der Ausstellungszeit zwei Filme gezeigt, darunter "Irre" von Reinhild Dettmer-Finke (Deutschland 2020) über den Freiburger Hilfsgemeinschaft e.V.

Veranstalter und Veranstaltungsort: Kommunales Kino Freiburg e.V., Urachstraße 40, 79102 Freiburg. Kontakt: urtike@aol.com
www.koki-freiburg.de
Termine

11.05.2020
Collection de L’Art Brut ab 12. Mai wieder zugänglich
Maximal 50 Besucher gleichzeitig – Eintritt frei bis 8. Juni
Lausanne (Schweiz). Collection de L’Art Brut hat ab 12. Mai 2020 unter Auflagen wieder geöffnet. Es werden maximal 50 Besucher gleichzeitig ins Haus g mehr
10.05.2020
EOA-Konferenz auf 2021 verschoben
European Outsider Art Association Conference rescheduled
St. Gallen (Schweiz). Aufgrund der Coronakrise fällt die Generalversammlung mit internationaler Konferenz der European Outsider Art Association (EOA) mehr
06.05.2020
Art Brut Biënnale Hengelo jetzt vom 25.9. bis 4.10.2020
Veranstalter teilt Verlegung der Messe von Juni in den Herbst mit
Hengelo. Die Organisatoren der vierten Auflage der Internationalen Art Brut Biënnale im niederländischen Hengelo, die Kunst und Kultur von Künstlerinn mehr