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Luxemburger Kunst und Psychiatrie-Symposion vergisst die Betroffenen
02.07.2014
Luxemburger Kunst und Psychiatrie-Symposion vergisst die Betroffenen
Internationale Tagung: Outsider Art-Künstler, Betroffene und Selbsthilfe außen vor
Luxemburg. Das luxemburgische sozialpsychiatrische Hilfezentrum Centre Kompass hat eine 2011 gestartete Jahrestagung konzeptionell verändert. Vom 19. bis 22. Oktober 2014 findet diesmal im Theatre National Luxembourg und im ARCA Betrange das „Internationale Symposium über Kunst und Psychiatrie Luxemburg“ statt, wie die Organisatoren es jetzt nennen. Idee und Entwicklung des bisherigen Outsider Art-Symposions wurden verworfen, auch die frühen Überlegungen, Betroffene und Outsider Art-Akteure auf den Bühnen und an den Rednerpulten gleichberechtigt einzubeziehen. Ein fürs Großherzogtum sympathischer Modus einer Gesamtveranstaltung in allen drei Landessprachen wird verlassen, der grenzübergreifenden Mundart -hier anerkannte Landessprache- kaum mehr Raum gegeben.

Wie Künstler und Beobachter der europäischen Outsider Art (wie vom Kunstprojekt Sammlung Art-Transmitter, Dortmund) und Vertreter grenznaher, deutscher Selbsthilfen (wie SeelenLaute/Saarbrücken und SeelenWorte/(Trier-Saarburg) mit Bedauern anmerken, gelang es in Luxemburg nicht, das zu Beginn mit Elan angedachte Outsider Kunst-Symposion zu etablieren. Die anfangs anvisierte Loslösung vom problematischen Pharmasponsoring misslang. Vielmehr hat der Veranstalter einen weiteren Arzneimittelkonzern ins Boot genommen. Ein zeitgemäßes inklusives Konzept wird nicht realisiert, offenbar nicht angestrebt.

Die eigentlich hochkarätigsten Protagonisten sind auf der Agenda nicht vorgesehen: Außenseiterkünstler, Psychiatrieerfahrene bzw. Selbsthilfevertreter der Großregion - Experten aus Erfahrung -, die spannende Referate und Kulturprogramme beisteuern, und bei der Akzeptanz von Outsider Art und Betroffenenerfahrung elementar helfen können. Stattdessen lässt man in Luxemburg vehement Psychiater, etablierte Kunsthistoriker und Kulturschaffende, sowie die Pharmaindustrie über Probleme, Betroffenensituationen und Kunst reden bzw. agieren, fokussiert sich auf die Darstellungsweisen dieser Berufsgruppen.

Liegt’s am traditionell fürsorglich denkenden Psychiatriesystem im Großherzogtum, und seinen unterstützenden Interessen? So wird in unabhängigen Fachkreisen vermutet. Zu groß scheint die Angst vor direkten Präsentationen und Meinungen Betroffener. Auch fehlt in Luxemburg eine organisierte (und öffentlich bezuschusste) Selbsthilfebewegung als echte Interessenvertretung. Ein Plus ist die vielfältiger gewordene Medienlandschaft. So greifen einige kritische Zeitungen verstärkt Probleme mit der Psychiatrie auf und beleuchten Patientenpositionen.

Erfreulich zugenommen haben entstigmatisierende Outsider Art-Veranstaltungen z.B. in Frankreich, Holland, sogar in Deutschland, - wenn Psychiatrie für die Kunst kein Thema mehr ist bzw. sinnvoll ver- schwindet, sich vorteilhaft immanenten eigenen Problemen widmet. Wo es, wie bei der belebenden Pariser Outsider Art Fair, bei Kunst eben um ..Kunst geht. – Wie schreibt die „Psychosoziale Umschau“ in Heft 1/2014 entsprechend: „Kunst braucht keinen Arzt!“

Kontakt zum Symposion im Netz über
www.centre-kompass.lu
01.07.2014
Müller vom Siel bis 24.08.2014 in Oldenburg
Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zeigt Spätwerk
Oldenburg. Das Oldenburger Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zeigt noch bis zum 24. August Bilder (ca. 180 Blätter) aus dem Spätwerk des Künstlers Georg Müller vom Siel. Siel war um 1900 ein engagierter Landschaftsmaler, seine Arbeiten änderten sich in den letzten 30 Jahren seines Lebens, die er mit der (vermeintlichen) Diagnose „Schizophrenie“ psychiatrisch eingesperrt in der Anstalt Wehnen bei Oldenburg verleben musste. Die Motive sind weitaus spannender als im Frühwerk, die ästhetische Qualität setzt sich fort. Figuratives, intensiv auch aus dem sexuellen Themenkreis, verbindet sich frei mit Abstraktem bis Obskurem.

Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Prinzenpalais, Damm 1, Oldenburg. Zu besichtigen Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.
www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de
14.06.2014
Kultur fair fördern! Keine Klassenbildung im Kulturbereich!
Kulturpolitische Gesellschaft besorgt über zunehmende Ungleichbehandlung
Bonn und Berlin. Die deutsche Kulturpolitische Gesellschaft teilt in einer aktuellen Presseinformation ihre Besorgnis über die zunehmende Ungleichbehandlung von Förderempfängern im Kulturbereich und die Entstehung prekärer Lebenslagen bei den kulturellen Akteuren mit.

Vor allem freie Träger und insbesondere projektbezogen geförderte Einrichtungen und Vorhaben seien davon betroffen, weil die vor allem tarifbedingten Kostensteigerungen in der Regel nicht kompensiert würden. Dadurch entstehe ein Zwei-Klassen-System in der Kultur, das dem Konsens im Kulturbetrieb abträglich sei. Die Gesellschaft fordert deshalb Bund, Länder und Gemeinden auf, diese Entwicklung in den Blick zu nehmen und mehr Fairness in der Kulturförderung walten zu lassen.
Termine

19.10.2017
Dubuffet-Ausstellung in Luxemburg
Bis 4. November 2017
Luxemburg-Stadt. Vierzig Werke aus vierzig Schaffensjahren des Künstlers, Bildhauers und Art Brut-Pioniers Jean Dubuffet (1901-1985) sind im Herbst in mehr
18.09.2017
Outsider Art Fair Paris 2017
October 19 - 22, 2017 at Hôtel du Duc

Outsider Art Fair Paris 2017

Paris. L’Outsider Art Fair, foire de référence de l’art brut et outsider, présente sa 5ème édition parisienne, du 19 au 22 octobre 2017. Egalement ins mehr
18.09.2017
6. SeelenLaute-Abend in Völklingen
Selbsthilfeinfos, Kunst & Kultur am 16. Oktober in der Stadtbibliothek
Völklingen (Saar). Den sechsten SeelenLaute-Abend für seelische Gesundheit, mit viel Information, Poesie, Kunst und Musik live gibt`s im saarländische mehr