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Ausbaufähig: Erstes
01.07.2011
Ausbaufähig: Erstes "Outsiderkunst"-Symposion in Luxemburg
Guter Anfang. Betroffene kamen nicht zu Wort - Ausstellung optimierbar
Strassen (Luxemburg). Die staatlich unterstützte Luxemburger Sozialinstitution Centre compass a.s.b.l., die heute im "Ländchen" BürgerInnen mit psychischen Erkrankungen ambulante Dienste und Einrichtungen wie Tagesstätte, Wohngruppen oder seit 2004 auch das therapeutische Kunstatelier "confetti" anbietet, hatte am 29. Juni 2011 zum 1. Internationalen Symposion Luxemburgs für so genannte Outsiderkunst ins Centre Culturel Paul Barblé nach Strassen eingeladen. Dazu erreichte die Nachrichtenredakton von Art-Transmitter ein rezensierender Nachbericht aus dem Nachbarland.

Kultur- , Gesundheitsministerium und Kommune agieren hier gemeinsam unterstützend. Wegen seines dreisprachigen und internationalen Charakters bietet sich Luxemburg für ein Treffen dieser Art an. Die Veranstaltung bot am Nachmittag nach den Reden der öffentlichen Vertreter Vorträge von vier Fachreferenten aus Luxemburg, Deutschland und Frankreich an, musikalisch umrahmt von einem Klassik-Duo mit passenden Stücken von Robert Schumann. Die schwierigen Begrifflichkeiten "art brut" und "outsider art" wurden eingangs zunächst leider mehr verundeutlicht als geklärt. Auch setzte man die per se ausgrenzende Vokabel "Outsider-Kunst" vorab nicht in Anführungszeichen. Die Darstellung der ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen bei psychischer bzw. geistiger Behinderung und die daraus anders zu betrachtende Sichtweise von Kunstarbeit aus diesen Bürger(rand)gruppen blieb undifferenziert.

Am interessantesten erwies sich das Referat "Outsider-Kunst: Zwischen Ausgrenzung und Anerkennung" von Dr. Turhan Demirel (geb. 1939 in der Türkei), Neurochirurg aus Wuppertal, der sich seit 1993 hier als Kunst-Spezialist bemüht und eine eigene Sammlung mit über 480 Malereien, Grafiken und Plastiken von ca. 120 KünstlerInnen aus aller Welt besitzt.
Am besten rezipiert wurde der frei gehaltene Vortrag "La clé Wölfli" des französischen Musikers Baudouin De Jaer, der zu Lichtbildern (darunter Zeichnungen, Bilder und musikalische Notenblätter) des großen, vieltalentierten "Patientenkünstlers" Adolf Wölfli (verst. 1930) lebendig referierte und auch frohe, avantgardistisch klingende Stücke von Wölfli auf der Violine vortrug.

Bei bedauerlich schlechter Bewerbung des Symposions (keine Plakate, kein Prospekt) war die große Halle des Kulturzentrums mit nur gut 50 Gästen besetzt. Im Sommermonat hatte man in der Halle ein Getränk für die Gäste vergessen. Als wesentliches Manko des Tages bezeichneten Kritiker neben einer Scheu vor Interaktion mit dem Publikum aber vor allem die Nichteinbeziehung psychiatrieerfahrener Kulturschaffender in die Referate und ins Rahmenprogramm. So fehlten dann auch im Publikum ganz mehrheitlich die, um die es ging: Betroffene, die Experten aus Erfahrung.

Die europäische Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. (Dortmund) hatte einen Vertreter zur Teilnahme geschickt. Aus dem benachbarten Saarland sah man mehrere professionelle Vertreter des Klinikum Merzig. Von deutscher Selbsthilfeseite beobachtete zudem ein Mitarbeiter der künstlerisch orientierten und "über die Grenzen" arbeitenden Selbsthilfe SeelenLaute Saar das Symposion als teilnehmender Gast.

Erfreulich die Ausstellung mit Werken psychiatrieerfahrener Künstler im öffentlichen Raum, die um 19 Uhr mit der Vernissage in der nebenan gelegenen städtischen Galerie A Spiren des Kulturzentrum Barblé eröffnet wurde. Rund 60 % der Werke entstammten dabei der Sammlung Demirel, mit Arbeiten auch aus Holland, USA oder Australien.
Es fehlten Exponate wichtiger anderer europäischer Sammlungen. Bedauerlicherweise zeigten sich wiederum Defizite in der Bewerbung (fehlende Plakate, Prospekte, keine richtige Bilderliste) und auf eine fachliche Einführung oder ein Künstlergespräch hatte man verzichtet. Eher wahllos erschien die Auswahl der Arbeiten, man vermisste dabei die Akzentuierung auf künstlerische Qualität. Hängung, Rahmung und Präsentation ließen an Professionalität teilweise zu wünschen übrig. Bei einem Drittel der Exponate fehlte gänzlich die Angabe der Autorenschaft, Bildpreise waren allgemein (zu) niedrig angesetzt. So entstand bei Besuchern doch der Eindruck einer Darstellung von "Behindertenkunst", was man eigentlich vermeiden wollte.

Ein guter erster Anfang ist hier im europäisch geprägten Luxemburg gemacht. Dies ist sehr zu begrüßen, wie auch eine Fortsetzung schon im nächsten Jahr. Noch zu stark klang der Ton traditionell fürsorglich, medizinal-therapeutisch verhafteter und klassisch institutionsgebundener Veranstaltungsmethodik durch. Zu wenig Raum hatten Spontaneität, Diskussion und Debatte oder auch spannende offene Ausgänge, sodass der Tag etwas an Würze einbüßte.
Bittere Pille aus Sicht Psychiatrieerfahrener: Als Sponsor der Veranstaltung hatte man mit Firma Lundbeck die Pharmawirtschaft mit ins Boot genommen, was der hier im Symposion vernachlässigten Selbsthilfe Betroffener und ihren Unabhängigkeitskonzepten verständlicherweise unpassend erscheint.
Für Neulinge im Sujet bot Strassen gute erste Informationen, für Insider wenig Besonderes oder Aktuelles gerade zur europäischen so genannten Outsider Art, wo heute mehr denn je auch die Diskrepanz zwischen Kunstwerk und Kunstmarkt in den Fokus der Erörterung rückt.

Mit einer optimierten Organisation, die nicht an wichtiger Öffentlichkeitsarbeit spart und betont Betroffene und ihre Selbsthilfevertreter (vorzugsweise grenzüberschreitend aus dem Mehrländerterrain) in Podium, Publikum und an Infostände holt, die Plenumsgäste per Wortwechsel einbezieht, ist die lobenswert begonnene Veranstaltung ausbaufähig. Und unbedingt mit einer neuen, professionalisierten Kunstausstellung, zur Weiterentwicklung des Symposions, um sub summarum selbst Inklusion und Integration vor Ort zu sein. Erforderliche Mehrarbeit und Mühen seitens der "normalen Gesellschaft" und ihrer Vertreter sollten nicht gescheut werden. Die Betroffenen und ihre Kunstschaffenden haben es verdient. Man darf sich aufs zweite Luxemburger Symposion freuen, mit wünschenswert größerem und breiterem Publikumskreis.
Art-Transmitter auch Sommer 2011 in den Ardennen
21.06.2011
Art-Transmitter auch Sommer 2011 in den Ardennen
Mit Infostand beim Wettbewerb auf 21. Internationalen Konstfestival Lellgen
Lellgen/Luxemburg. Viele Künstler sind im Sommer mit Pinsel, Palette und Staffelei über die Grenzen hinweg unterwegs. Beim 21. Internationalen Lellger Kunstfestival am 23. Juni 2011 in Luxemburg nimmt Art-Transmitter-Künstler Gangolf Peitz teil. Peitz ist für den Live-Wettbewerb angemeldet, wird vor Ort ein Aquarell erarbeiten und beim Concours einreichen.

Über 3000 Besucher strömen jährlich zu diesem renommierten Kunstereignis ins malerische Ardennendorf Lellgen nach Nordluxemburg, um über hundert „live“ arbeitenden Malern, Zeichnern und Bildhauern aus ganz Europa über die Schulter zu schauen und zudem ein sympathisches kulturelles wie kulinarisches Rahmenprogramm zu genießen. Der Hauptpreis ist mit 1.250 Euro dotiert (bei Ankauf des Bildes durch die Gemeinde Kiischpelt). Teilnehmende KünstlerInnen erhalten einen kleinen Aufwandszuschuss.

Das europäische Kunstprojekt Art-Transmitter ist wieder mit einem Stand und ausgewählten Arbeiten aus seiner Sammlung präsent. Kunstinteressierte aus Luxemburg, Belgien, Frankreich, Holland, Deutschland und anderen Ländern besuchen jedes Jahr das etablierte Lellger Konstfestival im Herzen Europas und können sich hier in Luxemburg bei einem mehrsprachigen Mitarbeiter über die vielfältige Arbeit von Art-Transmitter informieren bzw. auch ausgewählte Bilder der Sammlung vor Ort erwerben.

Weitere Informationen zu diesem spannenden jährlichen Concours am Luxemburger Natuonalfeiertag sowie die Ausschreibungsregularien im Internet unter
www.konstfestival.lu
17.06.2011
Von Drinnen nach Draußen
25 Gespräche mit psychiatrieerfahrenen KünstlerInnen
Berlin. Der Berliner Autor Peter Mannsdorff hat 25 Künstlerinnen und Künstler mit Psychiatrieerfahrung zu ihrem kreativen Arbeiten interviewt und daraus ein Buch gemacht. Entstanden ist eine dokumentative Sammlung von Gesprächen mit besonderen Kunstschaffenden aus Malerei, Literatur, Schauspiel, Musik und Fotografie.
Neben den Erfolgen kommen darin auch Probleme der Kulturarbeitenden zur Sprache. Soll man sich "outen" oder nicht, und finanzieller Verdienst als Künstlerhonorierung ist ein nicht einfaches Thema, wenn man anspruchsvolle eigene Werke nicht nur als schönes Hobby und Beschäftigung betrachtet, sondern seine Arbeiten auch angemessen verkauft haben will.

Das interessante Buch (Shift-Verlag 2010) über so genannte Outsider Art kann zum Preis von 13 Euro (zzgl. Versandunkosten) direkt beim Autor bestellt werden: Peter Mannsdorf, Charlottenstraße 11a, D-12247 Berlin, Tel. 030/7741019, E-mail: mannsdorff@gmx.de
Termine

04.12.2017
Neues und Unbekanntes aus der Sammlung Prinzhorn
Mittwoch, 13.12. in Heidelberg
Heidelberg. Museum Sammlung Prinzhorn lädt zu r Eröffnung der Ausstellung „Das Team als Kurator“ für Mittwoch, den 13. Dezember 2017 um 19.00 Uhr ein. mehr
02.12.2017
Lesung "Schokolade und Stein" am 12.12. in der Villa Gugging
Autobiografischer Roman von Edi Goller mit August Walla-Bezug
Maria Gugging (Österreich). "Schokolade und Stein" heißt die Buchpräsentation und Lesung mit Autorin Edi Goller, am 12. Dezember 2017 um 19. mehr
01.12.2017
Ody Saban-Retrospektive in Paris
07.-23.12. bei Galerie Claire Corcia
Paris. Die mit ihren Werken bisweilen selbst für Outsider Art-Präsentatoren „zu extreme“ Außenseiterkünstlerin Ody Saban zeigt vom 7. bis 23. Dezember mehr