Nachrichten
Günter Wallraff sammelt Kunst von Psychiatrieerfahrenen
15.12.2011
Günter Wallraff sammelt Kunst von Psychiatrieerfahrenen
Kritik an Ärzten, die Künstler per Psychopharmaka ihrer Kreativität berauben
Berlin. Die Saarbrücker Anlaufstelle für Selbstbestimmt Leben informiert über ihren aktuellen Newsletter, in Kooperation mit dem Nachrichtenprojekt von Selbsthilfe SeelenLaute Saar, von der jüngsten Tagung der organisierten deutschen Psychiater, November 2011 in Berlin.
Schriftsteller Günter Wallraff (geb. 1942), Psychiatriekritiker seit langem, erzählte in seinem Gastvortrag auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) unter dem Motto „Personalisierte Psychiatrie und Psychotherapie", er sammle Malerei von psychisch erkrankten Menschen. Die Bilder würden aber immer weniger und schlechter, weil man diese KünstlerInnen „so mit Psychopharmaka zuknallt, dass sie diese Impulse nicht mehr haben".

Literatur meets Medizin. Zwei Welten prallten quasi aufeinander.
Ein Autor, unzählige Ärzte und Wissenschaftler als Teilnehmer und Referenten. Selbst die Stufen neben den Sitzreihen im Saal des ICC waren belegt, so viele Gäste wollten den Literaten Wallraff hören. Und mit ihm nichts zu medikamentösen Therapiestrategien oder zur „Früherkennung psychiatrischer Störungsbilder“. Wallraff stattdessen beleuchtete die autoritär geprägte Psychiatrie der unmittelbaren Nachkriegszeit, konkret und auch ohne Pardon. In seiner eigenen (verrückten) Diagnose-Akte während seiner Bundeswehrzeit (und -aktion) in den 70er Jahres hieß es damals von Psychiaterseite: "Er hätte auch im Verteidigungsfall nur als Versager auftreten können." Heute sei das eine große Ehrung, meinte Wallraff. Aber damals habe er an sich gezweifelt, die Diagnose habe ihn so irritiert, dass er nach seiner Entlassung nicht in seinem Beruf als Buchhändler arbeitete, sondern durch Europa trampte und in Obdachlosenasylen übernachtete.

Der Schriftsteller erntete in Berlin vehementen Beifall. Vielleicht war es der Applaus für ein Ressort, welches selbst noch seinen Platz innerhalb der Medizin sucht. Fast verwirrt klangen die Worte von Kongresspräsident Prof. Dr. med. Peter Falkai (DGPPN), wie psychiatrieerfahrene Beobachter berichteten. Der fühlte sich mit seinem Psychiatriefachgebiet „im Vergleich mit den anderen medizinischen Disziplinen“ plötzlich "stigmatisiert". Falkai im Weiteren dort wörtlich: "Man versteht die Arbeit des Psychiaters nicht richtig."

Bleibt ergo zu hoffen, dass die deutsche Psychiatrie bessere Hilfe, ja Therapie erfährt und sich einholt, gerade von den Künsten. Und Günter Wallraff und die Gesellschaft wieder normale bzw. mehr dieser besonderen „Outsider Art“-Werke sammeln können.
12.12.2011
Zuschussrente als Mittel gegen Altersarmut von Künstlern?
Beim Zuschussrentenmodell der Bundesregierung noch Optimierungsbedarf
Bonn/Berlin. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt das Ziel der Bundesregierung, denjenigen, die ihr Leben lang gearbeitet und vorgesorgt, aber dennoch nur eine sehr geringe Rente erworben haben, mit der geplanten Zuschussrente die Rente auf 850 Euro monatlich aufzustocken.

Der Deutsche Kulturrat sieht jedoch noch erheblichen Klärungs- und Verbesserungsbedarf beim Zuschussrentenmodell der Bundesregierung. In einer entsprechenden Stellungnahme hat der Deutsche Kulturrat die Fragen an die Bundesregierung benannt.

Wichtig erscheint vor allem, dass sinnvolle Pläne dann auch Wirklichkeit werden. Akzeptabel für die KünstlerInnen.
08.12.2011
Eine Kunst, drei Formen
12 Anmerkungen zum Verhältnis von Kunst und sozialer Bewegung
"Das schönste an Deutschland ist die Autobahn", meint Georg Seeßlen in seinem lesenswerten Blog. Er macht sich Gedanken zu Politik, Arbeit, Krise, Kultur und Kunst und freud sich über erhellende Kommentare und Meinungen. Immerhin finden sich unter "Denken" 14 Beiträge. Darunter auch "12 Anmerkungen zum Verhältnis von Kunst und sozialer Bewegung". Georg Seeßlen unterscheidet drei Kunstformen: „Kunst, die für die Sammler interessant ist, Kunst, für die sich – aus Gründen, um die noch gerungen wird – eine politische Kunstpolitik und -förderung zuständig fühlt, und schließlich eine Kunst, für die sich weder der eine noch der andere Sektor interessiert – diese Kunst kann für die soziale Bewegung von besonderer Bedeutung werden, wenn sie nicht dem Irrtum verfällt, ausschließlich diskursiven, argumentierenden, aufklärerischen, ja sogar „propagandistischen“ Zwecken zu dienen.“

Dabei existiert Kunst allerdings nur, „insofern sie – unter bestimmten Bedingungen – ökonomisiert ist. Und das trägt auch den Keim der Privatisierung in sich: Die reichen Sammler unserer Zeit unternehmen drei Strategien gegenüber dem ästhetisch-ökonomischen System Kunst, was vorher nur in Ansätzen möglich war, in einer radikalisierten Form:

a) Sie entziehen das Kunstwerk dem öffentlichen Gebrauch und dem öffentlichen Diskurs nach Belieben.

b) Sie übergeben das privatisierte Kunstwerk dem öffentlichen Blick unter der Maßgabe zurück, dass die Politik (Staat, kommunale Verwaltungen etc.) den architektonischen und logistischen Rahmen dafür bilden. Die großen Sammler „veröffentlichen“ ihre Schätze – im Klartext – dafür, dass die Gesellschaft den ab einer gewissen Sammlungsgröße absurden Preis für die Lagerung und die Organisation bezahlt. So kehrt die privatisierte Kunst als ökonomisierte in die Obhut, nicht aber in den ideellen und materiellen Besitz der Gesellschaft zurück.

c) Wie alle anderen Märkte auch, wo wird auch der Kunstmarkt von den Vertretern der Gewinner-Oligarchien manipuliert. So wie sich die Finanzwirtschaft eine Wissenschaft als Legitimation und als Beschwichtigungsinstrument hält, so hält sich der Kunstmarkt mittlerweile eine vollkommen hörige Kunstwissenschaft. Am Ende obliegt dieser „Szene“ nicht allein der Handel mit Kunst (die Umverteilung der ästhetischen Produktion einer Gesellschaft von unten nach oben), sondern sogar die Definition von Kunst.“

Alle "12 Anmerkungen zum Verhältnis von Kunst und sozialer Bewegung" unter
www.seesslen-blog.de/2011/10/30/kunst-zeit-schrift/#more-1416
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