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Erste Schumanniade in Moutfort eröffnet
24.06.2013
Erste Schumanniade in Moutfort eröffnet
Musikalische Offensive sozialpsychiatrischer Vereine in Luxemburg
Moutfort (Luxemburg). Bei sommerlicher Hitze fand im Juni in der Reithalle des luxemburgischen Ortes Moutfort die Eröffnung der neuen Schumanniade statt. Gut fünfzig Zuhörer hörten ein virtuoses Konzert der Pianistin Andrea Kauten. Einer der beiden Veranstalter der begrüßenswerten musikalischen Reihe für gesellschaftlichen Vorurteilsabbau und Alternativen zur konservativ geprägten Psychiatrie des kleinen Landes ist der außerklinische sozialpsychiatrische Verein Centre Compass (mit Begegnungsstätte, Betreutem Wohnen und einem Kunstatelier). Man will hier den Ressourcenreichtum und die vitale Kreativität von Menschen mit so genannten psychischen Krankheiten verstärkt zeigen, für ein normales Miteinander in der Gesellschaft und für andere Genesungswege bzw. Hilfeangebote für mehr seelische Gesundheit werben.

Eine organisierte Selbsthilfestruktur Psychiatrieerfahrener als Stimme der Betroffenen, wie in Deutschland über den BPE e.V., fehlt im Großherzogtum gänzlich, wie auch unabhängige Beschwerdestellen für psychiatrisierte PatientInnen. Es herrscht das Fürsorgeprinzip vor, in den Kliniken ein eher direktiver Behandlungsstil und der Einfluss der Pharmawirtschaft auf Gesundheitssektor und Ärzteschaft ist groß, wie die liberale Presss des Landes immer weder kommentiert.

Weitere Konzerte sind für den 26. Juli bzw. den 28. September 2013 angekündigt. Man darf der Luxemburger Schumanniade wachsenden Erfolg und weiteren Publikumszustrom, auch aus den Nachbarländern, wünschen. Tickets und nähere Informationen unter Tel. (00352) 276977-1 bzw. über die Internetseiten www.mathellef.lu
www.mathellef.lu
Beeindruckendes „Himmel und Hölle“-Open Air für die Seele
21.06.2013
Beeindruckendes „Himmel und Hölle“-Open Air für die Seele
Nachhaltiger Kultureller Selbsthilfetag für seelische Gesundheit 2013
Saarbrücken. Am Samstag, 8. Juni 2013 war es auf dem Freigelände Hofgut Per la Vita, in Wadern-Morscholz wieder soweit. Als Schirmherr dieses überregionalen Selbsthilfetages eröffnete der saarländische Gesundheits- und Sozialminister Andreas Storm mit großem Lob an die Veranstalter Selbsthilfe SeelenLaute Saar und Hilfe- und Kulturzentrum Per la Vita, das fünfte Jubiläum des Saarländischen kulturellen Selbsthilfetages für seelische Gesundheit. Der Tag und die Arbeit von SeelenLaute zeigten beachtliche Resultate und Nachhaltigkeit. Selbsthilfe, kreative um so mehr, sei fester Bestandteil unseres Gesundheitssystems, so Storm, auch als wichtige Inklusionsarbeit. Die Verdienste kompetenter Selbsthilfe seien zu würdigen und zu unterstützen. Für Wadern betonte Ortsvorsteher Markus Wollscheid, dass der Tag die Gemeinde attraktiv bereichert.


Mehr Selbstbestimmung, mehr Mensch, mehr Natur!

Manuel Kulzer unterstrich für Per la Vita die Relevanz betroffenenorientierten Arbeitens der „Profis“ und die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe. „Weniger Fürsorge, weniger Doktor, weniger Pillen! Mehr Selbstbestimmung, mehr Mensch, mehr Natur!“ hieß es klar aus seinem Mund. SeelenLaute und Per la Vita hatten trialogisch zum Open Air „Himmel und Hölle“ eingeladen, sich über Kunst und Kultur als Basis von Teilhabe und seelischer Gesundheit, bzw. über Hilfen, Probleme und Möglichkeiten in diesem Themenkreis auseinander zu setzen. Der öffentliche Fach- und Kulturtag fand sinnvoll im Vorfeld des Waderner Stadtfestes und unter musikalischer Gestaltung durch den örtlichen Musikverein statt.
Für die Selbsthilfe hob Gangolf Peitz diese wirkungsvolle Kombination als Besonderheit der Veranstaltung hervor und wies auf die sympathisch unkomplizierte Zusammenarbeit aller Beteiligten hin, mit Dank an die Kooperationspartner und Unterstützer (Europäische Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V., Saarländisches Bündnis gegen Depression, Büro für Kultur- und Sozialarbeit Saar, Saarländisches Ministerium für Gesundheit und Soziales, Techniker Kasse, Stadt Wadern mit OT Morscholz, Landkreis Merzig-Wadern sowie viele Helferinnen und Helfer). Ein besonderer Dank galt dem neuen Engagement der TK, die diesen Selbsthilfetag als innovative und nachhaltige Gesundheitsveranstaltung einer aktiven landesweiten Selbsthilfeorganisation sehr begrüßt und mit einer Exklusivförderung bedachte. Bundesweit, so Peitz, zeichne sich hier eine Kasse mit der Unterstützung alternativer gesundheitsbezogener Arbeit an der Schnittstelle mit den kreativen Künsten aus. Dies sei vorbildhaft für eine gesetzliche Krankenversicherung und genau das, was die kreative Selbsthilfe SeelenLaute mit Betroffenenkompetenz etabliert habe und weiter in ihrer gewachsenen umfänglichen Arbeit betreibe.


Große Bühne live – Kultur ist Medizin und Teilhabe

Als musikalischer Referent machte sich Matthias Weber (Trier) an seiner Harfe Gedanken zu Seele – Arbeit – Utopie, und brachte den „Apokalyptischen Reiter“ auf Trab. Es folgten vielfältige Vorträge aus ganz Deutschland: Musikkabarettistin Ute Leuner aus Hamburg faszinierte mit ihrer „Himmelfahrt ins Bodenlose“, Lyriker Ernst Messinger (Ensdorf) konstatierte in seinen markanten Sprüchen: „Ich passe zu denen die nirgendwo dazu passen!“, Jan Michaelis (Düsseldorf) schoß mit einem Leseauszug aus seinem St. Petersburg-Krimi kräftig quer und der Saarburger Liedermacher Patric Ludwig besang Depressives auf moselfränkisch bzw. karikierte gekonnt mit dem „Tesoprell-Song“. Die Lyrikerinnen Annette Alt und Bärbel Klauk (Saarbrücken bzw. Wadern) lasen eindrucksvoll zum Thema „Zeit“ und „Natur“ im sensiblen Spannungsfeld von „Hoch und Unten“, Mundartautor Peitz berichtete mit „Abgefoahr!“ von liebgewonnenen Pennern in Luxemburg. Schließlich kam noch die Päpstin auf die Bühne.. Annette Wilhelm (Baden), die hier im Vorjahr schon alle Diagnosen als Putzfrau weggewischt hatte, forderte diesmal im Sketch die ultimative „Schmuserevolution“.
Als das „traf den Nerv“. Hier wurde nicht zum zig.sten mal über Inklusion geredet, sondern das Miteinander einfach gelebt. Mit ReferentInnen mit und ohne psychische Handicaps aus Kunst, Kultur, Selbsthilfe, Gesundheits- und Sozialarbeit, mit einem Publikum mit und ohne Handicaps. Kultur ist eben Medizin, die Künste verbinden, seit es sie gibt.


Eine Hölle: Zwang und Gewalt gegen Patienten wurden auch thematisiert

Dipl.-Psychologe Frank Lessel aus Saarbrücken arbeitete im Impulsreferat die andersartige moderne Depressionsproblematik heraus und kritisierte deutlich die Tendenz von Fachärzten und Pharmawirtschaft aus allem und jedem Krankes zu machen. Zum Leben, zur Gesundheit gehöre auch Traurigkeit und Melancholie. Gleichzeitig nehmen heute adäquate, nachhaltige Genesungshilfen für chronisch psychisch gehandicapte Menschen immer mehr ab. Das wurde im Interview mit Johannes Bischoff, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Psychiatrieerfahrener, klar. Zwang und Gewalt in der Psychiatrie gegen erkrankte BürgerInnen haben im letzten Jahrzehnt in Deutschland, auch im Saarland, besorgniserregend zugenommen. Hier gelte es weiter aufzuklären, entschieden gegen zu steuern und solidarisch wie trialogisch mit vielen Kräften humanistisch zu agieren. Betroffene sollten sich per Behandlungsvereinbarung und Patientenverfügung vor unerwünschten und unrechtmäßigen Maßnahmen schützen. Die in der UN-BRK fest geschriebenen Punkte seien einzuhalten, denn: Menschenrechte gelten für alle, sind unteilbar und dürfen auf keinen Fall Opfer ökonomischer Begründungen sein.


Heaven is a place on earth

Auch Reiten und Tiere sorgen für mehr Himmel auf Erden, helfen weiter, was der Hof mit Führungen und Ponyreiten für groß und klein vor Ort zeigte. Eine exklusive Kunstaktion bot Liberto Balaguer, Fachjournalist aus Dortmund, der für das europäische inklusive Kunstprojekt Art-Transmitter „Outsider Art“-Künstler Patrick Roedig aus Trier mit den eigens für diesen Tag geschaffenen großformatigen Acrylarbeiten „Himmel“ und „Hölle“ in seiner besonderen Flow Art-Technik vorstellte. Während Roedig live ein neues Werk vor dem Publikum entstehen ließ, moderierte Balaguer einen spannenden Abendtalk zu Kunst als Teilhabe- und Gesundungsweg. Als Highlight zum Ausklang widmete sich in vollem „Ornat“ der zwanzigköpfige Musikverein Morscholz dem Tagesthema in einer kräftigen Melodienmelange. Besonders die ABBA- und Beatles-Medleys blieben vielen noch lange im Ohr. Der Himmel ist überall: eine zusätzliche Attraktion bot das Anmalen eines Bauwagens (der jetzt von Per la Vita zum Ferienzimmer umgebaut wird!) zu diesem Stichwort durch die Besucher. Spontan begann Minister Storm die Malaktion. Abends strahlte der Wagen mit einer frischen Komplettbemalung durch viele Gäste.


Inklusion wurde (vor)gelebt

Vorgestellt wurde auch die große Betroffenen-Selbsthilfezeitschrift „Lautsprecher“ aus NRW mit den „SeelenLaute“-Seiten von der Saar im Innenteil. Interessante Informations- und Literaturstände der Selbsthilfe, der Referenten, aus den Musen, Gesundheits- und alternativem Publizistiksektor, sowie Schwenker, Rostwurst, alkoholfreie Getränke, Kaffee und Kuchen für kleines Geld luden um so mehr zu Besuch, Erfahrungsaustausch, Begegnung und Mitfeiern bis in die Abendstunden ein. Der wachsende Sinn, die Wirksamkeit und Bedeutung kreativer Arbeit und Betätigung für gesellschaftliche Teilhabe, Vorurteilsabbau, normales Miteinander und seelische Gesundheit werden mit dem SeelenLaute-Fest erlebnisreich verdeutlicht. Das besondere Konzept des Tages scheint anzustecken. So zog die fünfte Auflage wieder rund 150 Gäste aus nah und fern an, darunter Besucher von der Mittelmosel, aus Hunsrück, Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Mannheim und dem Elsass. Betroffenennutzer von Tageszentren waren genauso dabei wie Sozialarbeiter, Mitglieder befreundeter Selbsthilfen auch aus anderen Bundesländern, Betreuungspersonen, Angehörige und viele „normale“ Bürgerinnen und Bürger aus Dorf, Stadt, Landkreis und weiterer Ferne.

Die monatelange umfangreiche Arbeit hatte sich gelohnt. Solide Programmplanung und -koordination, zielgerechte intensive Öffentlichkeitsarbeit und eine verlässliche Organisation am Tag lohnen sich für die gute Sache. er ergab. Ergo heißt es 2014 hier im schönen Waderner Hochwald: Herzlich willkommen zum 6. SeelenLaute-Fest! Zu einem neuen prägnanten Thema werden dann wieder ReferentInnen und Kulturschaffende eingeladen, um mit ihren Vorträgen dieses wieder auf vielfältige und besondere Weise zu reflektieren, in der ganz speziellen Open Air-Atmosphäre des Kulturellen Selbsthilfetages für seelische Gesundheit. – Wer besondere Betroffenen-Künstler, Autoren, Musiker, Referenten oder Vorträge der Selbsthilfe SeelenLaute fördern und buchen will, kann sich per E-Mail an selbsthilfe_seelenlaute-saar@email.de wenden.



Text: bks/gp -- Foto: Judith Michaelis
Schüler in Ettelbrücker Psychiatrie
20.06.2013
Schüler in Ettelbrücker Psychiatrie
Kunstklasse arbeitete mit Patienten in Kreativatelier zusammen
Ettelbrück (Luxemburg). 21 SchülerInnen des Diekircher lycée classique haben zum Frühlingsauklang in ihrem Wahlfach Bildende Kunst mit ihrer Lehrerin einen gemeinsamen Ateliernachmittag mit PatientInnen der Ettelbrücker Psychiatrie im CHNP (Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique) gestaltet. In der Rehaabteilung betreibt das über 150 Jahre alte Fachkrankenhaus das therapeutische Konschtatelier „K17“. In der kreativen Zusammenarbeit entstanden vier großformatige Mosaike von beachtlicher Qualität, die zum Abschluss bei Kaffee und Kuchen stolz präsentiert wurden.
Die Jugendlichen bewerteten ihren „psychiatrischen Aufenthalt“ als lehrreich und den Kontakt bzw. die Aufnahme durch die Psychiatrieerfahrenen als sympathisch, herzlich und problemlos.

Die klinische Luxemburger Psychiatrie ist konservativ-klassisch geprägt. Eine strukturierte etablierte Selbsthilfe wie in Deutschland existiert (noch..) nicht.
www.chnp.lu/fr/rehaklinik/konschtatelier_k17
Termine

04.12.2017
Neues und Unbekanntes aus der Sammlung Prinzhorn
Mittwoch, 13.12. in Heidelberg
Heidelberg. Museum Sammlung Prinzhorn lädt zu r Eröffnung der Ausstellung „Das Team als Kurator“ für Mittwoch, den 13. Dezember 2017 um 19.00 Uhr ein. mehr
02.12.2017
Lesung "Schokolade und Stein" am 12.12. in der Villa Gugging
Autobiografischer Roman von Edi Goller mit August Walla-Bezug
Maria Gugging (Österreich). "Schokolade und Stein" heißt die Buchpräsentation und Lesung mit Autorin Edi Goller, am 12. Dezember 2017 um 19. mehr
01.12.2017
Ody Saban-Retrospektive in Paris
07.-23.12. bei Galerie Claire Corcia
Paris. Die mit ihren Werken bisweilen selbst für Outsider Art-Präsentatoren „zu extreme“ Außenseiterkünstlerin Ody Saban zeigt vom 7. bis 23. Dezember mehr