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Irreguläre Kunst. Paris zeigt vorbehaltlos Outsider Art
26.10.2017
Irreguläre Kunst. Paris zeigt vorbehaltlos Outsider Art
SeelenLaute Saar zu Meetings und OAF an der Seine
Paris. Alles ganz normal. Unterstützende Ateliers mit Autodidakten-Outsider Art-Künstlern mit (meist psychosozialen und mentalen) Handicaps, präsentieren deren Werke neben kommerziellen Galeristen und öffentlichen Museen der Art Brut und Außenseiterkunst. So auf der diesbezüglich wichtigsten Kunstmesse in Europa, der aus New York kommenden Outsider Art Fair (OAF) Paris, die Ende Oktober 2017 ihren fünften Geburtstag an der Seine feiern konnte. Schon gewohnt, läuft diese bewusst zeitgleich zur Foire Internationale d’Art Contemporain (FIAC), der altetablierten Messe der Akademiekunst im Grand Palais. Unweit der Opéra Garnier waren über vier Tage auf zwei Etagen des Hôtel du Duc 35 internationale Aussteller - viele aus Frankreich, USA, aber auch aus England, Italien, Russland, Belgien, Holland, Deutschland, Japan, der Schweiz, Luxemburg und Haiti - einquartiert, sowie die führenden Fachzeitschriften Raw Vision (englisch) und Artension (aus Frankreich) und ein großer Bücherstand des Pariser Museum Halles St. Pierre, mit (in Deutschland dürftig verbreiteter) Genre-Kunstliteratur.

Aus Deutschland zeigte Galerie Isola des Frankfurter Galeristen, Psychologen und Kunstdenkers Patrick Lofredi Werke von Ernst Kolb, Thérèse Bonnelalbay und Markus Bell. Die nicht-therapeutischen Assistenzateliers Creative Growth Art Center aus Oakland (USA) vertraten ihre VIP-Künstler Dan Miller und Judith Scott. Miller, diagnostizierter Autist, arbeitet bis heute unermüdlich in den Ateliers, aktuell an einem zehn Meter breiten Bild. Judith Scott (verst. Künstlerin mit Downsyndrom) wurde durch ihre faszinierend verwundenen Textilarbeiten weltbekannt. In der Koje der New Yorker Donald Ellis Gallery ist eine imposante Arbeit des Tschechen Luboš Plný zu sehen. Plný, Miller und Scott wurden auf der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig in der kuratierten Ausstellung gezeigt. Aus Sussex präsentierte sich das in England aus öffentlichen Kulturmitteln geförderte Inklusionsprojekt Outside In. Sein Motto: „Supporting artists facing barriers to the art world (due to health, disabilty, social circumstances or isolation)“. Begleitend fanden in Paris zwei öffentliche Podiumsgespräche zu ausgewählten Aspekten der Art Brut / Outsider Art statt. Mit dem Hamburger Kunstprofessor Franz Wilhelm Kaiser war hier auch ein Podiumsdiskutant aus Deutschland vertreten. Im Rahmen der OAF wurde der neue, mit 10.000 Euro dotierte Outsider Art-Preis von Magazin und Galerie Art Absolument vorgestellt. Eine Fachjury kürte ein herausragendes Werk eines auf der Messe vertretenen (lebenden) Künstlers. Zur Messe ist ein Katalog erschienen. Viertausend Besucher - rein kunstinteressiertes Publikum, darunter viele Sammler - frequentierten die Außenseiterkunstmesse. Kritiker schrieben dazu auf hohem Niveau in der Kunstpresse, die Feuilletons der Tagesmedien (wie Le Monde oder TF1) berichteten.

Zu grenzübergreifendem Informations- und Erfahrungsaustausch war auch SeelenLaute Saar in Paris vor Ort. Zu den Themenpunkten „Kunst und Seele“, „Kunst und Psychiatrie?“ sowie „Unterstützung von Künstlern mit Handicaps im europäischen Vergleich“ gab es aufschlussreiche Gespräche, Treffen und Vernetzungen mit Atelier- und Gremienvertretern aus Frankreich, England und Deutschland bzw. kreativen Selbsthilfeeinzelaktiven. Für SeelenLaute Saar stellte Gangolf Peitz in Paris die 2017er Außenseiterkunst-Sonderausgabe der Selbsthilfezeitung „SeelenLaute“ (worin man immer wieder von Neustem der Outsider Art berichtet) im der Messe benachbarten Starbucks-Café in kleinem Kreis vor. Zudem informierte er über das europäische inklusive Kunstprojekt Art-Transmitter, - mit Internetgalerie und dem deutschsprachigen Outsider Art-Nachrichtenportal unter art-transmitter.de.

Besuch und Aktivität von Selbsthilfe SeelenLaute Saar in Frankreich konnten dank Unterstützung der BAHN-BKK durchgeführt werden. Bei Organisation und Öffentlichkeitsarbeit war die Europäische Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. (Dortmund) behilflich. Für 2018 überlegt man bei SeelenLaute ein ähnlich fruchtbares europäisches Meeting in Montpellier.


Foto: Patrick Lofredi von Galerie Isola auf der OAF Paris 2017

(c) G. Peitz, BKS Saar (Text + Foto)


 
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