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Grenzübergreifende Info- und Kunst-Tour für seelische Gesundheit
27.07.2017
Grenzübergreifende Info- und Kunst-Tour für seelische Gesundheit
Selbsthilfeaustausch in Prüm, St. Vith und Ettelbrück. Besuch MADmusée in Liège
Lüttich. Zu einem Wissens- und Erfahrungsaustausch trafen sich an drei Tagen im Juli in Cafés in Prüm, St. Vith und Ettelbrück deutsche (Rheinland-Pfalz und Saarland), ostbelgische und Luxemburger Psychiatrieerfahrene, Freunde und Interessierte, – darunter KünstlerInnen mit und ohne seelische Handicaps. Die Idee für die länderübergreifende Informationsprojekt-Tour kam aus der rheinland-pfälzischen Selbsthilfe SeelenWorte RLP. Wesentliches Schwerpunktthema aller Besprechungen war Zeitungs- und Medienarbeit der spezifischen Selbsthilfe. Beim gleichzeitigen Gremientreffen in Ettelbrück war zudem Selbsthilfe SeelenLaute Saar beteiligt.

Schon länger besteht ein Kontakt mit den Kreativ-Ateliers für Menschen mit psycho-sozialen Einschränkungen in Vielsalm (La Grand ´S´), sowie mit kreativen Selbsthilfe-Personen aus Luxemburg. Im Großherzogtum traf man sich wieder in ausgewählter Runde in der Cafeteria des Ettelbrücker CHdN-Hospitals. Neu war eine Zusammenkunft im Klinikum St. Josef in St. Vith im deutschsprachigen Belgien, die neben dem stationären Krankenhausbetrieb ein psychiatrisches Tagesklinikangebot vorhält. Treffpunkt innerhalb der SeelenWorte-Info-Tour war dort das Café Melie im Klinikum. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) ist die berufliche Psychiatrie über einen Verband organisiert (www.psychiatrieverband.be). Organisierte PE-Selbsthilfegruppen sind weder beteiligt noch in der Öffentlichkeit präsent. Einige wenige Einzelaktivisten bemühen sich um Stimme und Mitspracherechte betroffener BürgerInnen. Eine Art Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Sinne traditioneller „Patientenvertretung“ ist der „Patienten Rat & Treff” (VoG) mit Sitz in Eupen und Zweigstelle in St. Vith, im Netz unter www.patientenrat.be zu finden, wo man in den links an Selbsthilfen auf deutscher Seite im Raum Aachen verweist.

Zum weiterbildenden Programm gehörte schließlich ein Besuch des MADmusée (Musée de la Art Différencié) in der rue Fabry in Lüttich, in dessen Kunstbestand eine große Zahl von Werken von Kulturschaffenden mit Psychiatrieerfahrung oder geistigen Handicaps ist. Derzeit stellt man in den Staaten aus, im Herbst sind zwei Ausstellungen an anderer Stelle in Liège, denn ein eigenes, neu gebautes Museumsgebäude ist gerade am Werden. Die Sammlung in der Wallonie begann in den 1990er Jahren mit der Akquirierung von Arbeiten aus den Créahm-Workshops (1970er Jahre startend, nachfolgend als CAD) der Großstadt, den CEC-Ateliers in Vielsam und weiteren, bis sie sich auf heute über 2.500 Exemplare der Outsider Art aus aller Welt erweiterte. Außenseiterkunst erfährt hier profunde Darstellung, Diskussion und Dokumentation. In Belgien ist es dabei normal, dass Ateliers mit Assistenzen für beeinträchtigte Künstlerinnen vom Kultusministerium oder dem für Internationale Beziehungen gefördert werden und nicht nur aus sozial-gesundheitlichen Finanzierungstöpfen. Es bestehen reguläre Kontakte der akademischen Kunstinstitute zu diesen Ateliereinrichtungen.

Bei den fruchtbaren Terminen wurde die Saar-Mosel-Selbsthilfezeitung für seelische Gesundheit "SeelenLaute" (herausgegeben von den Selbsthilfen SeelenLaute Saar und SeelenWorte RLP) vorgestellt bzw. verteilt und aufs Engagement des deutschen Bundesverbandes BPE e.V. hingewiesen. In assistierender Zusammenarbeit mit der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. (Dortmund), wurde auch deren Inklusionsprojekt art-transmitter (mit Nachrichtenportal) referiert. Die Gesellschaft befasst sich regelmäßig mit der Erörterung des Themenfelds „Kunst – Seele – Gesundheit – Genesung – Teilhabe“. Die Bewerbung der Selbsthilfezeitung - z.T. mit Kurzreferaten zu Inhalt und Anliegen - fand statt dank Unterstützung der Veranstaltungen durch Betriebskrankenkassen (aus Rheinland-Pfalz) sowie seitens der Selbsthilfe-Gemeinschaftsförderung der GKV (aus dem Saarland). Die anschließende gesundheits- und inklusionsbezogene Projektevaluation ergab ein positives Fazit, sodass die Selbsthilfeaktiven für 2018 eine neue derartige Grenzlandbegegnung mit Betroffenenkompetenz und vernetzendem Schwerpunkt überlegen.


Foto: (c) G. Peitz, Liège 2017
www.madmusee.be
 
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